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EuropĂ€ischer Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte
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Der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte (EGMR) ist ein auf Grundlage der EuropĂ€ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) eingerichteter Gerichtshof mit Sitz im französischen Straßburg, der Akte der Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung in Bezug auf die Verletzung der Konvention in allen Unterzeichnerstaaten ĂŒberprĂŒft. Der EMRK sind alle 46 Mitglieder des Europarats beigetreten. Daher unterstehen mit Ausnahme von Belarus, Russland und der Vatikanstadt sĂ€mtliche international anerkannten europĂ€ischen Staaten einschließlich der ĂŒberwiegend asiatischen Staaten Armenien, Aserbaidschan, Georgien, TĂŒrkei und Zypern der Jurisdiktion des EGMR.cite-ref-2[2] Jeder kann mit der Behauptung, von einem dieser Staaten in einem Recht aus der Konvention verletzt worden zu sein, den EGMR anrufen. PrĂ€sident des Gerichtshofs ist seit dem 30. Mai 2025 der französische Richter Mattias Guyomar.

WĂ€hrend der EGMR nach seiner GrĂŒndung im Jahre 1959 nur mit eingeschrĂ€nkten Befugnissen im Rahmen des Schutzsystems der EMRK ausgestattet war und seine Bedeutung deshalb vergleichsweise gering blieb, hat er spĂ€testens seit seiner grundlegenden Reform im Jahre 1998 enorm an Einfluss gewonnen. Gerade in den letzten Jahren hat der EGMR zahlreiche Urteile erlassen, die nicht unerheblich in die Rechtsordnung einzelner Staaten eingegriffen und in der Öffentlichkeit ein breites Echo gefunden haben. Gleichzeitig sieht er sich mit einer stĂ€ndig steigenden Zahl von Beschwerden konfrontiert, die zu einer chronischen Überlastung gefĂŒhrt haben. In jĂŒngster Zeit wurden verschiedene Maßnahmen getroffen, um dieses Problems Herr zu werden, etwa die Verabschiedung des 14. Zusatzprotokolls zur EMRK, das insbesondere die Ablehnung von Beschwerden erleichtert.

Contents

‱ Geschichte
‱ Richter
‱ Sektionen
‱ Verfahren
‱ Kritik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Einrichtung des Gerichtshofs und Entwicklungen bis 1998

Die am 3. September 1953cite-ref-3[3] in Kraft getretene EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention sah auch die Einrichtung einer Gerichtsbarkeit vor, welche die Einhaltung der in ihr verbĂŒrgten Garantien durch die Vertragsstaaten sicherstellen sollte. Bis zur Umsetzung dieses Vorhabens vergingen noch fĂŒnfeinhalb Jahre: Nachdem am 21. Januar 1959 die Richter gewĂ€hlt wurden, konstituierte sich der Gerichtshof am 20. April 1959 im Rahmen einer feierlichen Sondersitzung anlĂ€sslich des zehnjĂ€hrigen JubilĂ€ums des Europarats. Entsprechend der Zahl der Staaten, die der EMRK zu diesem Zeitpunkt beigetreten waren, gehörten dem ersten Gerichtshof 15 Richter an, darunter Hermann Mosler fĂŒr Deutschland und Alfred Verdroß-Droßberg fĂŒr Österreich. In seiner dritten Sitzung wĂ€hlte der EGMR am 18. September 1959 den Briten Arnold McNair zu seinem ersten PrĂ€sidenten. Zudem wurden die Verfahrensregeln verabschiedet.

ZunĂ€chst teilte sich der EGMR die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die Überwachung der Konvention mit der schon 1954 installierten EuropĂ€ischen Kommission fĂŒr Menschenrechte (EKMR). Letztere fungierte als Beschwerdeinstanz, die jede Beschwerde einer VorprĂŒfung unterzog und diese entweder fĂŒr unzulĂ€ssig erklĂ€rte oder dem Ministerkomitee des Europarats Bericht erstattete. Innerhalb von drei Monaten nach Vorlage dieses Berichts konnten der betroffene Staat oder die EKMR selbst den Gerichtshof anrufen, der dann eine endgĂŒltige und verbindliche Entscheidung traf. Anderenfalls befand das Ministerkomitee ĂŒber die Beschwerde.

Im Gegensatz zu heute war der EGMR anfangs nicht als stĂ€ndiges Gericht konzipiert. Zudem war im Grundsatz nur eine Staatenbeschwerde zulĂ€ssig. Der einzelne BĂŒrger konnte sich nur dann mit einer Beschwerde an die Kommission wenden, wenn der betroffene Staat in einer dahingehenden ErklĂ€rung dieses Recht anerkannt hatte. Infolgedessen blieb die Zahl der Entscheidungen des EGMR in den Anfangsjahren gering: Bis 1975 ergingen nur zwanzig Urteile. Das erste Sachurteil datiert vom 1. Juli 1961 und betraf den Fall Lawless ./. Irland.cite-ref-4[4]

Mit zunehmender GewÀhrung des Individualbeschwerderechts wuchs die Bedeutung des Gerichtshofs. In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche Zusatzprotokolle zur EMRK verabschiedet, die nicht nur den Menschenrechtskatalog erweiterten, sondern auch die Organisation des Gerichtshofs erneuerten und den Zugang des Einzelnen zum EGMR erleichterten. So erlaubte das 9. Zusatzprotokoll, das am 1. Oktober 1994 Geltung erlangte, unter bestimmten Voraussetzungen eine direkte Individualbeschwerde zum EGMR. Diese war jedoch nach wie vor von der Zustimmung des jeweiligen Mitgliedstaates abhÀngig.

Die Staatenbeschwerde kam in der ganzen Zeit bis 2014 nur zwei Mal unabhĂ€ngig von direkt betroffenen Staaten zur Anwendung und zwar 1968 nach dem Putsch in Griechenland und 1982 nach jenem in der TĂŒrkei. Ludwig A. Minelli kritisierte diese ZurĂŒckhaltung als „klĂ€gliches Versagen“. In Vertragsstaaten, in welchen die EMRK-Rechte „systematisch missachtet“ wĂŒrden, sollten sie durch andere Staaten zur Geltung gebracht werden, nicht durch Privatpersonen.cite-ref-5[5]

Der neue stÀndige Gerichtshof seit dem 11. Zusatzprotokoll zur EMRK

Das 11. Zusatzprotokoll,cite-ref-6[6] das am 1. November 1998 in Kraft trat, gestaltete den Schutzmechanismus der EMRK grundlegend um und markierte die Geburtsstunde des EGMR in seiner heutigen Form. Der Gerichtshof wurde in ein stĂ€ndiges Gericht umgewandelt, das ganzjĂ€hrig tagt und mit hauptberuflich tĂ€tigen Richtern besetzt ist. Die Individualbeschwerde wurde fĂŒr alle Mitgliedstaaten obligatorisch und ist nun unmittelbar an den Gerichtshof zu richten, der als einziges Organ zur Entscheidung ĂŒber sie berufen ist. Damit einher ging die Auflösung der EuropĂ€ischen Kommission fĂŒr Menschenrechte. Ebenso entfiel die Entscheidungsbefugnis des Ministerkomitees, dessen Kompetenz darauf beschrĂ€nkt wurde, die Umsetzung der Urteile des EGMR zu ĂŒberwachen.

Die Reform fĂŒhrte zugleich zu einer enormen Zunahme der Anzahl der Beschwerden. Um die Belastungen fĂŒr den EGMR, die eine deutliche Erhöhung der Dauer von Verfahren zur Folge hatte, einzudĂ€mmen, wurde am 13. Mai 2004 das 14. Zusatzprotokoll zur EMRKcite-ref-7[7] verabschiedet. Sein Inkrafttreten verzögerte sich bis zum 1. Juni 2010, da Russland lange Zeit die Ratifikation verweigerte.cite-ref-8[8] Es erleichtert insbesondere die Ablehnung von Beschwerden. Sie können nun auch dann fĂŒr unzulĂ€ssig erklĂ€rt werden, wenn dem BeschwerdefĂŒhrer kein erheblicher Nachteil entsteht. Bedarf eine Beschwerde keiner weiteren ÜberprĂŒfung, kann sie von einem Einzelrichter abgewiesen werden. Bei gefestigter Rechtsprechung darf zudem auch der mit drei Richtern besetzte Ausschuss ĂŒber ihre BegrĂŒndetheit entscheiden. Die Amtszeit der Richter betrĂ€gt nun einmalig neun Jahre, eine Wiederwahl ist ausgeschlossen. 2011 hatte die Anzahl der hĂ€ngigen FĂ€lle am Gerichtshof einen Peak von 150.000 erreicht, unter anderem durch den Enthusiasmus der zentral- und osteuropĂ€ischen Staaten. Bis 2016 hatte sich die Kurve der Zunahme der FĂ€lle abgeflacht, von 2016 bis 2021 lagen die hĂ€ngigen FĂ€lle konstant bei etwa 60.000.cite-ref-keller-9-0[9]

Zu den nĂ€chsten Herausforderungen, die der EGMR zu bewĂ€ltigen hat, gehört der gemĂ€ĂŸ Art. 6 Abs. 2 Satz 1 EUV und Art. 59 Abs. 2 EMRK angestrebte Beitritt der EuropĂ€ischen Union zur EMRK.

Organisation

Plenum des EGMR

Das Plenum ist die Versammlung aller 46 Richter beim EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte. Artikel 1 der Verfahrensordnung des EGMR definiert das Plenum als den EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte in Plenarsitzung.

Das Plenum hat verschiedene Aufgaben wie beispielsweise die Erstellung und Revision der Verfahrensordnung des EGMR (Art. 25 lit. d EMRK), die Wahl des PrÀsidenten des Gerichtshofs, oder die Wahl des Kanzlers. Es wird vom PrÀsidenten des Gerichtshofs einberufen, wenn die Aufgaben des Gerichtshofs es verlangen. Wenn mindestens ein Drittel der Mitglieder des Gerichtshofs es verlangen, ist der PrÀsident zur Einberufung des Plenums verpflichtet. UnabhÀngig davon muss er das Plenum mindestens einmal im Jahr einberufen.

Das Plenum ist beschlussfÀhig, wenn mindestens zwei Drittel der Richter des Gerichtshofs anwesend sind.

Richter

Jeder Unterzeichnerstaat der Konvention entsendet gemĂ€ĂŸ Art. 20 einen Richter in den EGMR. Dementsprechend gehören dem Gerichtshof derzeit 46 Richter an.

Siehe auch

:

Liste der Richter am EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte

Voraussetzungen

Die Anforderungen an die Richter des EGMR bestimmen sich nach Art. 21 Abs. 1: Demnach mĂŒssen die Richter hohes sittliches Ansehen genießen und entweder die zur AusĂŒbung hoher richterlicher Ämter notwendigen Voraussetzungen erfĂŒllen oder Rechtsgelehrte von anerkanntem Ruf sein (Art. 21 Abs. 1). Infolgedessen sind zurzeit mehrheitlich ehemalige hohe Richter aus den Mitgliedstaaten und Professoren mit besonderen Kenntnissen des Völkerrechts am Gerichtshof tĂ€tig.cite-ref-10[10]

Ein Richter muss hingegen nicht Staatsangehöriger des Landes sein, das ihn vorgeschlagen hat. Daher durften sich die Kleinstaaten Liechtenstein und San Marino in der Vergangenheit von BĂŒrgern anderer Staaten im EGMR reprĂ€sentieren lassen. Auch gegenwĂ€rtig sitzt fĂŒr Liechtenstein ein Schweizer im Gerichtshof. Bis zum Inkrafttreten des 11. Zusatzprotokolls am 1. November 1998 waren die Vorschriften insoweit strenger, als Art. 38 Satz 2 a.F. bestimmte, dass dem Gerichtshof aus jedem Staat nur ein Richter angehören durfte. Dies trug dazu bei, dass der Kanadier Ronald St. John Macdonald von 1980 bis 1998 fĂŒr Liechtenstein als bis heute einziger nichteuropĂ€ischer Richter am EGMR tĂ€tig war.

FĂŒr die Wahl der Richter werden zudem Kriterien herangezogen, die nicht ausdrĂŒcklich in Art. 21 Abs. 1 EMRK aufgefĂŒhrt sind, sich aber nach Ansicht des EGMR implizit aus ihm ergeben und ihn in gewisser Weise prĂ€zisieren. Hierunter fĂ€llt z. B. die ausreichende Kenntnis mindestens einer Amtssprache des Gerichtshofs, da nur so eine sinnvolle Teilnahme an der Arbeit des Gerichtshofs möglich ist.cite-ref-11[11]

Wahl

Die Richter werden von der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gewÀhlt (Art. 22), was ihnen eine hohe demokratische Legitimation verschafft.cite-ref-12[12]

Ist eine Richterstelle am Gerichtshof zu besetzen, hat der Konventionsstaat, dessen Richter ausscheidet, zunĂ€chst eine Liste mit drei Kandidaten aufzustellen, welche die Kriterien des Art. 21 Abs. 1 erfĂŒllen. Die Parlamentarische Versammlung hat die Liste zurĂŒckzuweisen und den Mitgliedstaat zur Einreichung einer neuen aufzufordern, wenn die alte den Anforderungen nicht genĂŒgt. Eine RĂŒcknahme durch den Mitgliedstaat ist nur bis zum Ende der Vorlagefrist möglich.cite-ref-gutachten-2010-13-0[13]

Die Kandidaten werden von einem Ausschuss der Parlamentarischen Versammlung persönlich angehört.cite-ref-14[14] Anschließend erfolgt die Wahl, wobei zum Richter gewĂ€hlt ist, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt.

Amtszeit

Die Amtszeit der Richter betrĂ€gt seit Inkrafttreten des 14. Zusatzprotokolls einheitlich neun Jahre ohne die Möglichkeit einer Wiederwahl (Art. 23 Abs. 1). Sie beginnt nicht mit der Wahl, sondern erst mit dem Zeitpunkt der AmtsĂŒbernahme (Art. 2 Abs. 1 und 2 VerfO). Diese erfolgt durch eine Eidesleistung bzw. ErklĂ€rung vor dem Plenum oder dem PrĂ€sidenten des Gerichtshofs (Art. 3 VerfO). FĂŒr Richter, die bei Inkrafttreten des 14. Zusatzprotokolls im Amt waren, sieht Art. 21 dieses Protokolls Übergangsregelungen vor. In Art. 23 Abs. 2 ist eine Altersgrenze fĂŒr Richter festgelegt: Ihre Amtsperiode endet vorzeitig, wenn sie das 70. Lebensjahr vollendet haben.

Bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers bleibt ein Richter im Amt. Über diesen Zeitpunkt hinaus bleibt er nach Art. 23 Abs. 3 in Rechtssachen tĂ€tig, mit denen er sich bereits befasst hat. Dies wird in Art. 26 Abs. 3 und Art. 24 Abs. 4 VerfO dahingehend konkretisiert, dass ausgeschiedene Richter sich weiter mit Beschwerden beschĂ€ftigen sollen, an deren BegrĂŒndetheitsprĂŒfung in der Kammer oder der Großen Kammer sie bereits teilgenommen haben.

Ist der Richter zu einem Verfahren verhindert oder tritt nach Art. 28 aus gewichtigen GrĂŒnden (z. B. bei möglicher Befangenheit) von der AusĂŒbung des Amtes in einem Verfahren zurĂŒck, muss die entsprechende Nation entweder einen Ersatz aus der Liste der gewĂ€hlten Richter oder einen Richter ad hoc benennen (Art. 29).

Die Entlassung eines Richters ist nur möglich, wenn die anderen Richter mit einer Zweidrittelmehrheit entscheiden, dass er die erforderlichen Voraussetzungen nicht mehr erfĂŒllt (Art. 23 Abs. 4). Dies ist in der Geschichte des EGMR noch nicht vorgekommen. Weiterhin kann die Amtszeit durch den RĂŒcktritt des Richters enden (Art. 6 VerfO).

Status

Die Richter gehören dem Gerichtshof in ihrer persönlichen Eigenschaft an (Art. 21 Abs. 2). Sie sind damit keine Vertreter der Staaten, die sie vorgeschlagen haben, und ihnen gegenĂŒber nicht weisungsgebunden. Sie genießen nach Art. 51 die Vorrechte und ImmunitĂ€ten, die nach Art. 40 der Satzung des Europaratescite-ref-15[15] und den aufgrund jenes Artikels geschlossenen ÜbereinkĂŒnften vorgesehen sind.cite-ref-16[16] Ihnen stehen dieselben Privilegien zu, die Diplomaten nach innerstaatlichem Recht gewĂ€hrt werden.

Richter dĂŒrfen keine (weitere) TĂ€tigkeit ausĂŒben, die mit ihrer UnabhĂ€ngigkeit, ihrer Unparteilichkeit oder mit den Erfordernissen der VollzeitbeschĂ€ftigung in diesem Amt unvereinbar ist (Art. 21 Abs. 3). NebentĂ€tigkeiten sind dem PrĂ€sidenten des Gerichtshofes anzuzeigen (Art. 4 VerfO). In diesem Zusammenhang auftretende Fragen werden vom Plenum des Gerichtshofes entschieden.

Die Richter können nach Art. 25 auf verschiedene Weise die innere Organisation des Gerichtshofs beeinflussen. Sie beschließen die Verfahrensordnung, bilden die Spruchkammern des Gerichtshofs und wĂ€hlen den PrĂ€sidenten, die VizeprĂ€sidenten, die KammerprĂ€sidenten, den Kanzler des Gerichtshofs und seine Stellvertreter.

Sektionen

Der Gerichtshof besteht aus fĂŒnf Sektionen, die nach geographischen Gesichtspunkten und einer gleichmĂ€ĂŸigen Verteilung der Geschlechter fĂŒr drei Jahre zusammengestellt werden. Als SektionsprĂ€sidenten fungieren die zwei VizeprĂ€sidenten und drei weitere vom Plenum ernannte Richter. UnterstĂŒtzt und vertreten werden sie von den VizeprĂ€sidenten der Sektionen.

Richter der Ersten Sektion

| Name (Lebensdaten) | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Mitgliedstaat | Nachfolger von |
|---|---|---|---|---|
| Ivana Jelić (* 1975) | 12. Juli 2018 | 11. Juli 2027 | Montenegro Montenegro | Nebojơa Vučinić |
| Erik Wennerström (* 1962) | 1. Apr. 2019 | 31. MÀrz 2028 | Schweden Schweden | Helena JÀderblom |
| Raffaele Sabato (* 1960) | 5. Mai 2019 | 4. Mai 2028 | Italien Italien | Guido Raimondi |
| Frédéric Krenc (* 1978) | 13. Sep. 2021 | 12. Sep. 2030 | Belgien Belgien | Paul Lemmens |
| Davor Derenčinović (* 1970) | 2. Jan. 2022 | 1. Jan. 2031 | Kroatien Kroatien | Ksenija Turković |
| Alain Chablais (* 1969) | 1. Sep. 2024 | 31. Aug. 2033 | Liechtenstein Liechtenstein | Carlo Ranzoni |
| ArtĆ«rs Kučs (* 1975) | 3. Sep. 2024 | 2. Sep. 2033 | Lettland Lettland | MārtiƆơ Mits |
| Anna Adamska-Gallant (* 1975) | 16. Dez. 2024 | 15. Dez. 2033 | Polen Polen | Krzysztof Wojtyczek |

Richter der Zweiten Sektion

| Name (Lebensdaten) | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Mitgliedstaat | Nachfolger von |
|---|---|---|---|---|
| Arnfinn BÄrdsen (* 1966) | 1. Jan. 2019 | 31. Dez. 2027 | Norwegen Norwegen | Erik MÞse |
| Saadet YĂŒksel (* 1983) | 3. Juli 2019 | 2. Juli 2028 | Turkei TĂŒrkei | Ißıl Karakaß |
| Jovan Ilievski (* 1958) | 1. Feb. 2017 | 31. Jan. 2026 | Nordmazedonien Nordmazedonien | Mirjana Lazarova Trajkovska |
| Péter Paczolay (* 1956) | 24. Apr. 2017 | 23. Apr. 2026 | Ungarn Ungarn | Andrås Sajó |
| OddnĂœ Mjöll ArnardĂłttir (* 1970) | 15. MĂ€rz 2023 | 14. MĂ€rz 2032 | Island Island | RĂłbert Ragnar SpanĂł |
| Gediminas Sagatys (* 1977) | 16. Apr. 2024 | 15. Apr. 2033 | Litauen Litauen | Egidijus Kƫris |
| Stéphane Pisani (* 1978) | 2. Mai 2024 | 1. Mai 2033 | Luxemburg Luxemburg | Georges Ravarani |
| Juha Lavapuro (* 1968) | 1. Jan. 2025 | 31. Dez. 2033 | Finnland Finnland | Pauliine Koskelo |
| Hugh Mercer (* 1962) | 22. Sep. 2025 | 21. Sep. 2034 | Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich | Tim Eicke |

Richter der Dritten Sektion

| Name (Lebensdaten) | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Mitgliedstaat | Nachfolger von |
|---|---|---|---|---|
| Ioannis Ktistakis (* 1971) | 8. MĂ€rz 2021 | 7. MĂ€rz 2030 | Griechenland Griechenland | Linos-Alexandre Sicilianos |
| Peeter Roosma (* 1972) | 4. Jan. 2020 | 3. Jan. 2029 | Estland Estland | Julia Laffranque |
| Lətif HĂŒseynov (* 1964) | 4. Jan. 2017 | 3. Jan. 2026 | Aserbaidschan Aserbaidschan | Xanlar Hacıyev |
| Darian Pavli (* 1975) | 7. Jan. 2019 | 6. Jan. 2028 | Albanien Albanien | Ledi Bianku |
| Diana Kowatschewa (* 1975) | 13. Apr. 2024 | 12. Apr. 2033 | Bulgarien Bulgarien | Jonko Grosew |
| Úna Ní Raifeartaigh (* 1966) | 2. Juli 2024 | 1. Juli 2033 | Irland Irland | Síofra O’Leary |
| Mateja Đurović (* 1984) | 16. Sep. 2024 | 15. Sep. 2033 | Serbien Serbien | Branko Lubarda |
| CanĂČlic Mingorance Cairat (* 1976) | 31. MĂ€rz 2025 | 30. MĂ€rz 2034 | Andorra Andorra | Pere Pastor Vilanova |
| Vasilka Sancin (* 1979) | 30. Mai 2025 | 29. Mai 2034 | Slowenien Slowenien | Marko BoĆĄnjak |

Richter der Vierten Sektion

| Name (Lebensdaten) | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Mitgliedstaat | Nachfolger von |
|---|---|---|---|---|
| Lado Tschanturia (* 1963) | 8. Jan. 2018 | 7. Jan. 2027 | Georgien Georgien | Nona Zozoria |
| Jolien Schukking (* 1967) | 3. Apr. 2017 | 2. Apr. 2026 | Niederlande Niederlande | Johannes Silvis |
| Faris Vehabović (* 1967) | 3. Dez. 2012 | 2. Dez. 2021 | Bosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina | Ljiljana Mijović |
| Lorraine Schembri Orland (* 1959) | 20. Sep. 2019 | 19. Sep. 2028 | Malta Malta | Vincent De Gaetano |
| Anja Seibert-Fohr (* 1969) | 1. Jan. 2020 | 31. Dez. 2028 | Deutschland Deutschland | Angelika Nußberger |
| Ana Maria Guerra Martins (* 1963) | 1. Apr. 2020 | 31. MĂ€rz 2029 | Portugal Portugal | Paulo Pinto de Albuquerque |
| Anne Louise Bormann (* 1967) | 13. Apr. 2023 | 12. Apr. 2032 | Danemark DĂ€nemark | Jon Fridrik KjĂžlbro |
| Sebastian Rădulețu (* 1975) | 3. Juli 2023 | 2. Juli 2032 | RumĂ€nien RumĂ€nien | Iulia Motoc |
| András Jakab (* 1978) | 1. Nov. 2024 | 31. Okt. 2033 | Osterreich Österreich | Gabriele Kucsko-Stadlmayer |

Richter der FĂŒnften Sektion

| Name (Lebensdaten) | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Mitgliedstaat | Nachfolger von |
|---|---|---|---|---|
| Kateƙina Ơimáčková (* 1966) | 13. Dez. 2021 | 12. Dez. 2030 | Tschechien Tschechien | Aleơ Pejchal |
| MarĂ­a ElĂłsegui (* 1957) | 15. MĂ€rz 2018 | 14. MĂ€rz 2027 | Spanien Spanien | Luis LĂłpez Guerra |
| Mattias Guyomar (* 1968) | 22. Juni 2020 | 21. Juni 2029 | Frankreich Frankreich | André Potocki |
| Georgios Serghides (* 1955) | 18. Apr. 2016 | 17. Apr. 2025 | Zypern Republik Zypern | George Nicolaou |
| Gilberto Felici (* 1972) | 26. Sep. 2018 | 25. Sep. 2027 | San Marino San Marino | Kristina Pardalos |
| Andreas ZĂŒnd (* 1957) | 29. MĂ€rz 2021 | 28. MĂ€rz 2030 | Schweiz Schweiz | Helen Keller |
| Diana SĂąrcu (* 1976) | 6. Dez. 2021 | 5. Dez. 2030 | Moldau Republik Moldau | Valeriu Grițco |
| Mykola Hnatowskyi (* 1977) | 27. Juni 2022 | 26. Juni 2031 | Ukraine Ukraine | Hanna Judkiwska |
| Wahe Grigorjan (* 1975) | 28. Apr. 2025 | 27. Apr. 2034 | Armenien Armenien | Armen Harutjunjan |
| Sébastien Biancheri (* 1980) | 7. Juli 2025 | 6. Juli 2034 | Monaco Monaco | Stéphanie Mourou-Vikström |

Stand: 8. November 2025

Die Richter aus der Bosnien-Herzegowina und Zypern sind gemĂ€ĂŸ Art. 23 Abs. 3 Satz 1 EMRK trotz Ablaufs ihrer Amtszeit weiterhin im Amt, da noch kein Nachfolger gewĂ€hlt wurde und ihr Amt ĂŒbernommen hat. Der slowakische Richterposten ist derzeit nicht besetzt

Der Gerichtshof tagt nach Art. 26 in Einzelrichterbesetzung, AusschĂŒssen, Kammern und einer Großen Kammer. Der Ausschuss ist mit drei Richtern besetzt, die Kammer mit sieben Richtern und die Große Kammer mit 17 Richtern.

PrÀsident und Kanzlei

Die Leitung des EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte obliegt einem PrĂ€sidenten und zwei VizeprĂ€sidenten, die von den Richtern aus ihrer Mitte fĂŒr eine Amtsperiode fĂŒr drei Jahre gewĂ€hlt werden. Der PrĂ€sident vertritt den Gerichtshof nach außen und fĂŒhrt den Vorsitz im Plenum des Gerichtshofs, der Großen Kammer und den AusschĂŒssen von fĂŒnf Richtern. Dem Gerichtshof standen bisher elf PrĂ€sidenten aus neun verschiedenen Mitgliedstaaten des Europarats vor. Amtierender PrĂ€sident ist seit dem 30. Mai 2025 der französische Mattias Guyomar.cite-ref-afp-1-1[1]

| # | Name | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | NationalitÀt |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Arnold McNair, 1. Baron McNair (1885–1975) | 15. September 1959* | 3. Mai 1965 | Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich |
| 2 | RenĂ© Cassin (1887–1976) | 20. Mai 1965 | 15. Juni 1968 | Frankreich Frankreich |
| 3 | Henri Rolin (1891–1973) | 27. September 1968 | 5. Mai 1971 | Belgien Belgien |
| 4 | Sir Humphrey Waldock (1904–1981) | 5. Mai 1971 | 21. Januar 1974 | Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich |
| 5 | Giorgio Balladore Pallieri (1905–1980) | 8. Mai 1974 | 9. Dezember 1980 | Italien Italien |
| 6 | GĂ©rard Wiarda (1906–1988) | 30. Januar 1981 | 30. Mai 1985 | Niederlande Niederlande |
| 7 | Rolv Ryssdal (1914–1998) | 30. Mai 1985 | 18. Februar 1998 | Norwegen Norwegen |
| 8 | Rudolf Bernhardt (1925–2021) | 24. MĂ€rz 1998 | 31. Oktober 1998 | Deutschland Deutschland |
| 9 | Luzius Wildhaber (1937–2020) | 1. November 1998 | 18. Januar 2007 | Schweiz Schweiz |
| 10 | Jean-Paul Costa (1941–2023) | 19. Januar 2007 | 3. November 2011 | Frankreich Frankreich |
| 11 | Sir Nicolas Bratza (* 1945) | 4. November 2011 | 31. Oktober 2012 | Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich |
| 12 | Dean Spielmann (* 1962) | 1. November 2012 | 31. Oktober 2015 | Luxemburg Luxemburg |
| 13 | Guido Raimondi (* 1953) | 1. November 2015 | 4. Mai 2019 | Italien Italien |
| 14 | Linos-Alexandre Sicilianos (* 1960) | 5. Mai 2019 | 17. Mai 2020 | Griechenland Griechenland |
| 15 | RĂłbert Ragnar SpanĂł (* 1972) | 18. Mai 2020 | 31. Oktober 2022 | Island Island |
| 16 | Síofra O’Leary (* 1968) | 1. November 2022 | 1. Juli 2024 | Irland Irland |
| 17 | Marko BoĆĄnjak (* 1974) | 2. Juli 2024 | 29. Mai 2025 | Slowenien Slowenien |
| 18 | Mattias Guyomar (* 1968) | 30. Mai 2025 | | Frankreich Frankreich |

* Als Ă€ltestes Mitglied des Gerichtshofs ĂŒbernahm Baron McNair auch den Vorsitz wĂ€hrend der ersten Sitzung des EGMR vom 23. bis zum 28. Februar 1959. Die Wahl des PrĂ€sidenten erfolgte erst am 15. September 1959.

Die VerwaltungsgeschĂ€fte des Gerichtshofs fĂŒhrt eine Kanzlei, die von einem Kanzler geleitet wird, der seinerseits an die Weisungen des PrĂ€sidenten gebunden ist. Der Kanzler und seine Stellvertreter werden von den Richtern fĂŒr eine fĂŒnfjĂ€hrige Funktionsperiode gewĂ€hlt.

Rechtsprechung

Die Rechtsprechung des EGMR wird unter anderem als „dynamisch evolutiv“ beschrieben. Die internationale Anerkennung war nicht immer gegeben, da der „Staatenkonsens [
] gering [ist]“. Insbesondere mit Russland gab es schon vor 2017 Schwierigkeiten, zu einer Einigung zu kommen. Im Fall der Wahlstandards sei ein betrĂ€chtlicher Wandel im Laufe der Zeit aufgetreten.cite-ref-17[17]

Verfahren

Die EMRK sieht drei Verfahrensarten vor, in denen der EGMR mit einem Sachverhalt befasst werden kann, namentlich

‱ das Individualbeschwerdeverfahren (Art. 34),
‱ das Staatenbeschwerdeverfahren (Art. 33) und
‱ das Gutachtenverfahren (Art. 47).

Individualbeschwerde

In der Praxis stellt die Individualbeschwerde nach Art. 34, in der Literatur auch Menschenrechtsbeschwerde genannt,cite-ref-18[18] das bedeutendste Instrument des Menschenrechtsschutzes vor dem EGMR dar. Allen natĂŒrlichen Personen und nichtstaatlichen Organisationen sowie Personengruppen wird das Recht gewĂ€hrt, den EGMR mit der Behauptung anzurufen, in einem Recht aus der Konvention verletzt zu sein.

Einleitung des Verfahrens

Die formalen Anforderungen an die Beschwerde sind Art. 47 VerfO zu entnehmen.cite-ref-19[19] Sie ist schriftlich beim EGMR in Straßburg einzulegen, hierfĂŒr muss seit dem 1. Januar 2014 das von der Kanzlei des EGMR bereitgestellte Antragsformular verwendet werden, das in den Sprachen aller Mitgliedstaaten verfĂŒgbar ist.cite-ref-20[20] In der Beschwerde ist insbesondere der maßgebende Sachverhalt prĂ€gnant zu schildern und zu erlĂ€utern, welche Konventionsartikel aus welchen GrĂŒnden als verletzt angesehen werden. Zudem muss der BeschwerdefĂŒhrer Kopien aller Dokumente beifĂŒgen, die fĂŒr die Angelegenheit von Bedeutung sind, beispielsweise Gerichtsurteile und Verwaltungsakte.

Eine Individualbeschwerde kann ohne Rechtsanwalt eingereicht werden. Erst wenn die Beschwerde fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt wurde und eine Stellungnahme der Regierung hierzu beim Gerichtshof eingegangen ist, herrscht Anwaltszwang (sofern der KammerprĂ€sident nichts anderes bestimmt; siehe Art. 36 Abs. 2 VerfO). Hat der BeschwerdefĂŒhrer keinen Anwalt, wird der Gerichtshof ihn mit Zustellung der Beschwerde der Regierung auffordern, einen Anwalt zu bezeichnen. Es existieren keine Rechtsgrundlagen fĂŒr die GewĂ€hrung von Prozesskostenhilfe fĂŒr bedĂŒrftige Antragsteller, die sich keinen Rechtsanwalt leisten können; in der Praxis wird diese aber in solchen FĂ€llen gewĂ€hrt, wenn die BedĂŒrftigkeit gegenĂŒber dem Gericht nachgewiesen ist.

Aus Art. 35 ergeben sich die weiteren ZulĂ€ssigkeitsvoraussetzungen fĂŒr eine Beschwerde zum EGMR:

‱ Rechtswegerschöpfung: Es muss zunĂ€chst der innerstaatliche Instanzenzug durchlaufen werden, und es dĂŒrfen keine Rechtsbehelfe auf nationaler Ebene verbleiben (Art. 35 Abs. 1). In Deutschland fĂ€llt darunter auch das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Es gilt im Übrigen das SubsidiaritĂ€tsprinzip.
‱ Frist: Die Beschwerde muss spĂ€testens vier Monate nach der endgĂŒltigen innerstaatlichen Entscheidung eingereicht werden (Art. 35 Abs. 1).
‱ Wenn dieser letzte Tag der Viermonatsfrist auf einen Samstag, Sonntag oder auf einen gesetzlichen Feiertag fĂ€llt, beeinflusst das nicht das Ende der Viermonatsfrist.
‱ Sie darf nicht anonym eingereicht werden (Art. 35 Abs. 2a).
‱ Sie darf nicht mit einer frĂŒheren Beschwerde ĂŒbereinstimmen oder in gleicher Form einer anderen internationalen Instanz unterbreitet worden sein (Art. 35 Abs. 2b).
‱ Sie darf nicht unvereinbar mit der Konvention und den Protokollen, offensichtlich unbegrĂŒndet oder missbrĂ€uchlich sein (Art. 35 Abs. 3a).
‱ Dem BeschwerdefĂŒhrer darf – von einigen Ausnahmen abgesehen – nicht nur ein unerheblicher Nachteil entstanden sein (Art. 35 Abs. 3b). Nach Art. 20 Abs. 2 des 14. Zusatzprotokolls wird diese Bestimmung nicht auf Beschwerden angewendet, die vor ihrem Inkrafttreten am 1. Juni 2010 fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt wurden.

Das Vorliegen der ZulĂ€ssigkeitsvoraussetzungen prĂŒft der EGMR von Amts wegen.cite-ref-21[21] Er kann gemĂ€ĂŸ Art. 35 Abs. 4 eine unzulĂ€ssige Beschwerde in jedem Verfahrensstadium zurĂŒckweisen. Dies ist selbst dann möglich, wenn eine Beschwerde ursprĂŒnglich fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt wurde und erst spĂ€ter unzulĂ€ssig geworden ist.cite-ref-22[22]

In den von Art. 37 vorgesehenen FĂ€llen kann der Gerichtshof eine Beschwerde zudem aus seinem Register streichen.

Gang des Verfahrens

Die Beschwerde wird vom PrĂ€sidenten des Gerichtshofs einer der fĂŒnf Sektionen des EGMR zugewiesen (Art. 52 I VerfO). Er versucht hierbei, eine faire Verteilung der Beschwerden zwischen den Sektionen zu gewĂ€hrleisten. Innerhalb der Sektion kann die Beschwerde einem Einzelrichter (Art. 27), einem Ausschuss (Art. 28) oder der Kammer (Art. 29) vorgelegt werden. Erscheint die PrĂŒfung durch einen Ausschuss oder eine Kammer gerechtfertigt, benennt der SektionsprĂ€sident gemĂ€ĂŸ Art. 49 Abs. 2 VerfO einen Berichterstatter aus dem Kreis der Richter. Dieser kann die Beschwerde selbst an einen Einzelrichter, einen Ausschuss oder die Kammer delegieren, wenn der SektionsprĂ€sident weder die PrĂŒfung durch den Ausschuss noch durch die Kammer anordnet. Er kann zudem die Parteien zur Übersendung von relevanten Dokumenten auffordern und hat die Aufgabe, mit Berichten und anderem Material den Ausschuss oder die Kammer bei der ErfĂŒllung ihrer Aufgaben zu unterstĂŒtzen.

Einzelrichter

Wird die Beschwerde an den Einzelrichter weitergeleitet, kann dieser sie fĂŒr unzulĂ€ssig erklĂ€ren oder aus dem Register streichen, wenn eine solche Entscheidung ohne weitere PrĂŒfung getroffen werden kann (Art. 27 Abs. 1). Nach Art. 49 Abs. 1 VerfO ist dies der Fall, wenn sich die UnzulĂ€ssigkeit schon aus den vom BeschwerdefĂŒhrer vorgelegten Unterlagen ergibt. Art. 20 Abs. 2 Satz 2 des 14. Zusatzprotokolls sieht jedoch vor, dass die ZulĂ€ssigkeitsvoraussetzung des nicht unerheblichen Nachteils (Art. 35 Abs. 3b) bis zum 1. Juni 2012 nicht vom Einzelrichter geprĂŒft werden darf.

Eine UnzulĂ€ssigkeitserklĂ€rung oder Streichung aus dem Register durch den Einzelrichter ist endgĂŒltig (Art. 27 Abs. 2). Erfolgt diese nicht, leitet er die Beschwerde gemĂ€ĂŸ Art. 27 Abs. 3 zur weiteren PrĂŒfung an einen Ausschuss oder eine Kammer weiter.

Ausschuss

Liegt die Beschwerde dem mit drei Richtern besetzten Ausschuss vor, stehen diesem zwei Entscheidungsoptionen zur VerfĂŒgung:

‱ Die Beschwerde wird fĂŒr unzulĂ€ssig erklĂ€rt oder aus dem Register gestrichen, wenn diese Entscheidung ohne weitere PrĂŒfung getroffen werden kann (Art. 28 Abs. 1a). Auch hier gilt die Übergangsregelung des Art. 20 Abs. 2 Satz 2 des 14. Zusatzprotokolls.
‱ Die Beschwerde wird fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt und es wird zugleich ĂŒber ihre BegrĂŒndetheit entschieden. Dies ist möglich, wenn die der Rechtssache zugrunde liegende Frage der Auslegung oder Anwendung dieser Konvention oder der Protokolle dazu Gegenstand einer gefestigten Rechtsprechung des Gerichtshofs ist (Art. 28 Abs. 1b).

Die Sitzungen des Ausschusses sind nicht öffentlich (Art. 22 VerfO). Sowohl eine Entscheidung nach Abs. 1a als auch ein Urteil nach Abs. 1b mĂŒssen einstimmig gefĂ€llt werden. Beide sind unanfechtbar. Befindet der Ausschuss nicht selbst ĂŒber die Beschwerde, hat er sie nach Art. 28 Abs. 1 und Art. 53 Abs. 6 VerfO zur weiteren PrĂŒfung an die Kammer zu verweisen.

Kammer

Haben weder ein Einzelrichter noch ein Ausschuss ĂŒber die Beschwerde entschieden, werden ZulĂ€ssigkeit und BegrĂŒndetheit gemĂ€ĂŸ Art. 29 Abs. 1 von einer siebenköpfigen Kammer des EGMR beurteilt.

Die Kammer kann die Beschwerde zum einen ohne weitere Untersuchung als unzulĂ€ssig abweisen bzw. aus dem Register streichen. Alternativ kann sie die Parteien dazu auffordern, weitere Unterlagen, die aus ihrer Sicht fĂŒr die Beurteilung der ZulĂ€ssigkeit von Relevanz sind, einzureichen und schriftliche Stellungnahmen abzugeben. Dies bezieht sich auch auf den betroffenen Mitgliedstaat (Art. 54 VerfO). Die Entscheidung ĂŒber die ZulĂ€ssigkeit kann gesondert ergehen oder mit der ĂŒber die BegrĂŒndetheit verbunden werden (Art. 29 EMRK, Abs. 1, Art. 54A VerfO).

Wurde die Beschwerde fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt, kann die Kammer die beteiligten Parteien auffordern, weitere Beweise vorzulegen und Stellungnahmen einzureichen (Art. 59 Abs. 1 VerfO). In der Regel erfolgt die Entscheidung auf Grundlage der SchriftsĂ€tze, eine mĂŒndliche Verhandlung ist der Ausnahmefall und wird nur anberaumt, wenn die Kammer dies zur ErfĂŒllung ihrer Aufgaben im Sinne der Konvention fĂŒr erforderlich hĂ€lt (Art. 59 Abs. 3 VerfO). MĂŒndliche Verhandlungen sind grundsĂ€tzlich öffentlich, sofern sich die Kammer nicht entschließt, die Öffentlichkeit auszuschließen (Art. 40 EMRK, Art. 63 Abs. 1 VerfO). Sie werden in Englisch oder Französisch, den Amtssprachen des Gerichtshofs, abgehalten. Ihre Leitung obliegt nach Art. 64 Abs. 1 VerfO dem KammerprĂ€sidenten, jedem beteiligten Richter steht gemĂ€ĂŸ Art. 64 Abs. 2 VerfO ein Fragerecht zu.

Auch vor der ZulĂ€ssigkeitsentscheidung kann eine mĂŒndliche Verhandlung durchgefĂŒhrt werden. Im Rahmen dieser sollen sich die Parteien auch zur BegrĂŒndetheit Ă€ußern (Art. 54 Abs. 3 VerfO).

Große Kammer

Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Große Kammer des EGMR im Individualbeschwerdeverfahren mit einer Beschwerde befasst werden. Zum einen eröffnet Art. 30 der Kammer die Möglichkeit, schon bevor sie ein Urteil fĂ€llt, die Sache an die Große Kammer abzugeben. HierfĂŒr ist erforderlich, dass entweder die Rechtssache eine schwerwiegende Frage der Auslegung der Konvention oder der Protokolle aufwirft oder die Entscheidung einer ihr vorliegenden Frage zu einer Abweichung von einem frĂŒheren Urteil des Gerichtshofs fĂŒhren kann. In beiden FĂ€llen darf zudem keine Partei widersprechen.

Zum anderen können die Parteien gemĂ€ĂŸ Art. 43 Abs. 1 EMRK innerhalb von drei Monaten nach einem Urteil der Kammer die Verweisung an die Große Kammer beantragen. Ein fĂŒnfköpfiger Ausschuss entscheidet ĂŒber den Antrag. Er gibt ihm statt, wenn die Rechtssache eine schwerwiegende Frage der Auslegung oder Anwendung der EMRK oder der dazugehörigen Protokolle oder eine schwerwiegende Frage von allgemeiner Bedeutung aufwirft (Art. 43 Abs. 2). Die Große Kammer entscheidet dann durch Urteil (Art. 43 Abs. 3).

Pilotverfahren

Seit 2004 hat der Gerichtshof, im Rahmen der Individualbeschwerde, eine Entscheidungsvariante entwickelt, die 2011 in den Verfahrensregeln (Regel 61) ausdrĂŒcklich kodifiziert worden ist.cite-ref-23[23] Damit wird die Möglichkeit geschaffen, ausgehend von einer Individualbeschwerde, auf systematische bzw. strukturelle Dysfunktionen im betreffenden Staat einzugehen, welche zu einer Vielzahl Ă€hnlicher Beschwerden gefĂŒhrt haben oder fĂŒhren könnten. Zuletzt wurde dieses Verfahren in einem Fall angewandt, in dem der italienische Staat dazu verpflichtet wurde, innerhalb eines Jahres Maßnahmen zur Beseitigung der menschenrechtswidrigen ÜberfĂŒllung seiner GefĂ€ngnisse zu ergreifen.cite-ref-24[24] Auch gegen Deutschland ist bereits eine derartige Entscheidung ergangen: Rumpf ./. Deutschland, Urteil vom 2. September 2010, Nr. 46344/06 (ĂŒberlange Verfahrensdauer).cite-ref-25[25]

VorlĂ€ufige Maßnahmen

Der Gerichtshof kann nach Art. 39 seiner Verfahrensordnung entscheiden, dass ein Staat bestimmte vorĂŒbergehende Maßnahmen (englisch: interim measures) ergreifen sollte, wĂ€hrend der Gerichtshof den Fall weiter prĂŒft. Es handelt sich dabei um Eilmaßnahmen, die nur zur Anwendung kommen, wenn die unmittelbare Gefahr eines nicht wiedergutzumachenden Schadens droht. So kann der EGMR auf dieser Basis einen Staat aufrufen, von einer Abschiebung Abstand zu nehmen, wenn dadurch die Gefahr einer gravierenden Verletzung der Konvention, beispielsweise vom Folterverbot in Art. 3 EMRK, einhergehen wĂŒrde.cite-ref-26[26]

Staatenbeschwerde

Artikel 33 der EMRK gewĂ€hrt einem Konventionsstaat das Recht, den Gerichtshof mit der Behauptung anzurufen, ein anderer Konventionsstaat verletze die in der Konvention oder ihren Protokollen garantierten Rechte. Die genauen Anforderungen an die Beschwerde ergeben sich aus Art. 46 VerfO. Das Verfahren weicht in einigen Punkten von dem der Individualbeschwerde ab. Der Mitgliedstaat, gegen den sich die Beschwerde richtet, ist nach ihrer Erhebung unverzĂŒglich von ihr in Kenntnis zu setzen (Art. 51 Abs. 1 VerfO). Es ist weder die ZustĂ€ndigkeit eines Einzelrichters noch eines Ausschusses gegeben, sondern ausschließlich die Kammer wird mit der Beschwerde befasst (Art. 33 MRK). Eine mĂŒndliche Verhandlung hat bereits dann stattzufinden, wenn eine der Parteien sie beantragt (Art. 51 Abs. 5 und 58 Abs. 2 VerfO).

Die Staatenbeschwerde spielt in der Rechtswirklichkeit des EGMR nur eine untergeordnete Rolle. Sie ist lediglich in einigen FĂ€llen von grundsĂ€tzlicher Bedeutung und enormer politischer Tragweite sowie bei Menschenrechtsverletzungen großen Umfangs eingereicht worden.cite-ref-27[27] Beispiele hierfĂŒr sind Urteile, die sich auf den Nordirlandkonfliktcite-ref-28[28] und den Zypernkonflikt beziehen.cite-ref-29[29] Seit 2007 hatte sich die Große Kammer des Gerichtshofs mit zwei Beschwerden von Georgien gegen Russland befasstcite-ref-30[30] und am 21. Januar 2021 entschieden, die Konvention finde auf Ereignisse in einem internationalen bewaffneten Konflikt, die sich wĂ€hrend der aktiven Phase von Feindseligkeiten zutragen, keine Anwendung.cite-ref-31[31]

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hat der EGMR am 1. MĂ€rz 2022 jedoch auf Antrag der Ukraine vorlĂ€ufige Maßnahmen („interim measures“) nach Art. 39 seiner Verfahrensordnung ergriffen und die russische Regierung aufgefordert, militĂ€rische Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte wie Schulen und KrankenhĂ€user sowie medizinisches Hilfspersonal zu unterlassen.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]

Gutachtenverfahren

Von noch geringerer praktischer Bedeutung ist das Gutachtenverfahren nach Art. 47. Danach kann der EGMR auf Antrag des Ministerkomitees Gutachten ĂŒber Rechtsfragen erstatten, welche die Auslegung der EMRK betreffen. Allerdings schrĂ€nkt Art. 47 Abs. 2 den Anwendungsbereich der Vorschrift erheblich ein: Ausgeschlossen sind sĂ€mtliche Fragen, die sich auf den Inhalt oder das Ausmaß der Konventionsrechte im ersten Abschnitt oder in den Protokollen beziehen oder ĂŒber die der Gerichtshof oder das Ministerkomitee auf Grund eines nach der Konvention eingeleiteten Verfahrens zu entscheiden haben könnte. Daher hat der EGMR bisher nur zwei Gutachten erstattet: Das erste zur Frage, ob die Parlamentarische Versammlung eine Liste fĂŒr die Richterwahl, die keine weiblichen Kandidaten benennt, zurĂŒckweisen darf,cite-ref-34[34] das zweite dazu, ob es unzulĂ€ssig ist, eine der Parlamentarischen Versammlung vorgelegte Kandidatenliste nach Ablauf der gesetzten Frist zurĂŒckzunehmen.cite-ref-gutachten-2010-13-1[13] Dagegen hat er es abgelehnt, ein Gutachten zur Frage zu erstellen, ob die Menschenrechtskommission der GUS-Staaten eine „andere internationale Untersuchungs- oder Vergleichsinstanz“ im Sinne von Art. 35 Abs. 2b ist, da er ĂŒber diese Frage im Zusammenhang mit einer Individual- oder Staatenbeschwerde zu entscheiden haben könnte und sie deshalb dem Ausschlussgrund des Art. 47 Abs. 2 unterfĂ€llt.cite-ref-35[35]

Bindungswirkung der Urteile des EGMR

→

Hauptartikel

:

„Rang im nationalen Recht“ im Artikel EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention

Art. 46 der EuropĂ€ischen Menschenrechtskonvention lautet: „Die Hohen Vertragsparteien verpflichten sich, in allen Rechtssachen, in denen sie Partei sind, das endgĂŒltige Urteil des Gerichtshofs zu befolgen.“

SĂ€mtliche Unterzeichnerstaaten haben sich demgemĂ€ĂŸ der Rechtsprechung des EGMR unterworfen. Der Gerichtshof kann jedoch mangels Exekutivbefugnissen nur Restitutionen in Form von EntschĂ€digungszahlungen gegen den handelnden Staat verhĂ€ngen (Art. 41). Obwohl die Entscheidungen des Gerichtshofs auf völkerrechtlicher Ebene verbindlich sind, variiert ihre Bindungswirkung innerhalb der Rechtsordnungen der einzelnen Konventionsstaaten, da die Stellung der Menschenrechtskonvention von Staat zu Staat unterschiedlich ist.

Verfahrensstatistik

(Quelle:cite-ref-36[36])

AnhÀngige Verfahren

Der EGMR ist Opfer seines eigenen Erfolges. Anfang 2010 waren 100.000 Verfahren bei ihm anhĂ€ngig, d. h. eingeleitet, aber noch nicht entschieden. Gingen 1981 gerade einmal 400 Beschwerden jĂ€hrlich ein, hat sich diese Zahl im Jahr 2007 auf jĂ€hrlich rund 40.000 Beschwerden verhundertfacht. Dementsprechend hoch ist teilweise auch die Verfahrensdauer. So lagen im Jahr 2007 ĂŒber 2.000 Verfahren lĂ€nger als fĂŒnf Jahre beim EGMR. Freilich fĂŒhren nicht alle Verfahren auch zu einem Urteil des Gerichtshofs. Die Mehrheit der Beschwerden ist unzulĂ€ssig. So stehen im Jahr 2007 1500 Entscheidungen (Judgments) 27.100 Beschwerden gegenĂŒber, die fĂŒr unzulĂ€ssig erklĂ€rt oder aus dem Verfahrensregister gestrichen wurden.

| Staat | Verfahren (ca.) | Anteil (ca.) | Verurteilungen | Bevölkerung | Urteile je Mio. |
|---|---|---|---|---|---|
| Russland Russland | 20.300 | 26 % | 175 | 142 Mio. | 1,2 |
| Turkei TĂŒrkei | 9150 | 12 % | 319 | 70,6 Mio. | 4,5 |
| RumÀnien RumÀnien | 8300 | 10 % | 88 | 21,6 Mio. | 4,1 |
| Ukraine Ukraine | 5800 | 7 % | 108 | 46,3 Mio. | 2,3 |
| Polen Polen | 3100 | 4 % | 101 | 38,5 Mio. | 2,6 |
| Tschechien Tschechien | 3000 | 4 % | 9 | 10,3 Mio. | 0,9 |
| Italien Italien | 2900 | 4 % | 58 | 59,1 Mio. | 1,0 |
| Slowenien Slowenien | 2700 | 3 % | 14 | 2,0 Mio. | 7,0 |
| Deutschland Deutschland | 2500 | 3 % | 7 | 82,4 Mio. | 0,1 |
| Frankreich Frankreich | 2350 | 3 % | 39 | 64,5 Mio. | 0,6 |
| Osterreich Österreich | 570 | 0,7 % | 20 | 8,3 Mio. | 0,6 |
| Schweiz Schweiz | 460 | 0,6 % | 6 | 7,5 Mio. | 0,8 |
| Rest | 18.270 | 22,7 % | 405 | — | — |

Verurteilungsstatistik

Der Anstieg der Fallzahlen beim EGMR ist neben der Reform des Gerichtshofs und dem dadurch erleichterten Zugang auch auf die Neuaufnahme ost- und sĂŒdosteuropĂ€ischer LĂ€nder in den 90er Jahren zurĂŒckzufĂŒhren. Die Verurteilungen der jeweiligen Staaten zeigen deutlich, dass Hauptprobleme vor allem im Bereich des Justizwesens liegen. Verletzungen der GrundsĂ€tze des beschleunigten Verfahrens, des fairen Verfahrens, des Anspruchs auf ein effektives Rechtsmittel, aber auch der Freiheit und Sicherheit (Freiheitsentziehungen) nehmen die ĂŒbergroße Zahl der Verurteilungen ein. Bei den Verfahrensverzögerungen hebt sich Italien deutlich von anderen Staaten ab. Besondere Probleme bestehen auch in der TĂŒrkei, die bei Verurteilungen auch in der folgenden Tabelle nicht genannter Artikel meist sehr weit oben rangiert. Die meisten Verurteilungen betreffen damit vor allem ost- und sĂŒdeuropĂ€ische LĂ€nder, was sich auch an der Entwicklung der Fallzahlen im Jahr 2007 zeigt. LĂ€nder mit einer Verfassungsgerichtsbarkeit, die einen effektiven Grundrechtsschutz gewĂ€hrt, wie beispielsweise Deutschland, haben trotz einer relativ hohen Quote anhĂ€ngiger Verfahren nur geringe Verurteilungszahlen. Im Jahr 2017 stand Russland an der Spitze der Rangliste der Verurteilungen.cite-ref-38[38]

| Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] | Übersicht ĂŒber Verurteilungen in den Jahren 1959 bis 2011 (ausgewĂ€hlte Schwerpunkte) [ 39 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| # | Staat | Verurteilungen gesamt (mindestens ein Verstoß) | Verbot unmenschlicher/erniedrigender Behandlung (Art. 3) | Freiheit und Sicherheit (Art. 5) | Faires Verfahren Art. 6) | Schleuniges Verfahren (Art. 6) | Privat-/ Familien­leben (Art. 8) | Meinungs­freiheit (Art. 10) | Effektives Rechtsmittel (Art. 13) | Schutz des Eigentums (ZP 1 Art. 1) |
| 1 | Turkei TĂŒrkei | 2.747 | 243 | 554 | 729 | 493 | 83 | 207 | 237 | 611 |
| 2 | Italien Italien | 2.166 | 16 | 29 | 245 | 1.155 | 133 | 4 | 76 | 310 |
| 3 | Russland Russland (seit 1997) | 1.212 | 357 | 422 | 570 | 154 | 94 | 23 | 291 | 456 |
| 4 | Polen Polen (seit 1992) | 945 | 19 | 267 | 92 | 412 | 91 | 17 | 20 | 21 |
| 5 | RumÀnien RumÀnien (seit 1996) | 859 | 68 | 64 | 343 | 88 | 45 | 15 | 17 | 441 |
| 6 | Frankreich Frankreich | 848 | 19 | 47 | 251 | 281 | 29 | 25 | 32 | 29 |
| 7 | Ukraine Ukraine (seit 1996) | 822 | 70 | 134 | 432 | 259 | 25 | 9 | 145 | 301 |
| 8 | Griechenland Griechenland | 686 | 28 | 32 | 120 | 403 | 8 | 9 | 132 | 66 |
| 9 | Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich | 462 | 15 | 60 | 90 | 26 | 64 | 11 | 32 | 2 |
| 10 | Bulgarien Bulgarien (seit 1992) | 437 | 41 | 229 | 49 | 162 | 35 | 7 | 125 | 60 |
| 11 | Osterreich Österreich | 299 | 4 | 10 | 83 | 86 | 14 | 32 | 11 | 4 |
| | | | | | | | | | | |
| 16 | Deutschland Deutschland | 234 | 3 | 23 | 16 | 102 | 18 | 4 | 23 | 2 |
| | | | | | | | | | | |
| 23 | Schweiz Schweiz | 113 | – | 13 | 24 | 6 | 16 | 11 | 1 | – |
| – | Total ĂŒber alle Mitglieder | 14.854 * | 1.007 | 2.205 | 3.672 | 4.810 | 853 | 479 | 1.559 | 2.569 |

* FĂ€lle mit mehreren VerstĂ¶ĂŸen wurden nur einmal gezĂ€hlt.
2009 stehen 61.300 neuen Beschwerden 1.499 Verurteilungen gegenĂŒber.cite-ref-40[40]

Bedeutende Entscheidungen

→

Hauptartikel

:

Liste von Entscheidungen des EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte

Die Beziehungen Russlands zum EGMR

1998 verpflichtete sich Russland mit der Ratifizierung der EMRK, die Urteile des EGMR zu befolgen. Bis Ende 2014 wurden 1600 Klagen russischer BĂŒrger vom EMRK angenommen, 1503 wurden davon zugunsten der KlĂ€ger entschieden.cite-ref-41[41] Wladimir Putin unterzeichnete im Dezember 2015 ein Gesetz, dem zufolge das russische Verfassungsgericht Urteile des EGMR kippen kann, wenn es diese fĂŒr verfassungswidrig befindet.cite-ref-42[42] Anfang Juni 2022 verabschiedete die russische Duma ein Gesetz, das dem EGMR die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr Russland aberkannte. Zur BegrĂŒndung erklĂ€rte der Duma-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin, dass der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte „zu einem Instrument des politischen Kampfes gegen unser Land in den HĂ€nden westlicher Politiker geworden“ sei.cite-ref-43[43]

Kritik

Neben der Kritik an einzelnen Entscheidungen ist vor allem eine Strukturkritik am EGMR zu beobachten. So wird dem Gericht ein Mikromanagement der Gesellschaften in den Mitgliedstaaten, insbesondere in gesellschaftlich und politisch kontroversen Fragen (wie Sterbehilfe, Leihmutterschaft, Gentechnik, Abtreibung oder PrĂ€nataldiagnostik) vorgeworfen, wobei die kulturellen Besonderheiten in den einzelnen Gesellschaften ĂŒbersehen wĂŒrden.cite-ref-44[44]

Als ursĂ€chlich fĂŒr diese ĂŒberschießende AktivitĂ€t wird der Anspruch des EGMR gesehen, den Inhalt der EMRK „dynamisch“ mit verbindlicher Wirkung fĂŒr die nationalen Gesetzgeber weiterzuentwickeln. Nach herkömmlicher Auffassung wacht die Legislative darĂŒber, dass die Dynamisierung des Rechts nicht auf Kosten des Gesetzgebers geht. Da dem EGMR jedoch im Unterschied zum nationalen Höchstgericht kein Gesetzgeber als Gegengewicht gegenĂŒbersteht, fehle dieses Korrektiv.cite-ref-45[45] Die Situation lĂ€sst sich mit der eines Verfassungsgerichts bei der Auslegung etwa eines Grundrechtskatalogs in einer Verfassungsurkunde vergleichen, da auch hier „korrigierende“ Akte des Gesetzgebers in der Regel der Form eines verfassungsĂ€ndernden Gesetzes bedĂŒrfen. Die HĂŒrden fĂŒr verfassungsĂ€ndernde Gesetze sind jedoch normalerweise niedriger als die fĂŒr eine Änderung der EMRK.

Der Schweizer StĂ€nderat fasste diese Kritik in eine ErklĂ€rung, die er nach dem Urteil des EGMR zugunsten der Klimaseniorinnen vom 9. April 2024 abgab. Er stellt darin «besorgt» fest, dass der Gerichtshof mit dem Urteil die Grenzen der zulĂ€ssigen Rechtsfortentwicklung durch ein internationales Gericht ĂŒberstrapaziere und sich durch diese Art der Vertragsauslegung dem Vorwurf eines unzulĂ€ssigen und unangemessenen gerichtlichen Aktivismus aussetze. Und er ruft den EGMR auf, den in der Konvention verankerten Grundsatz der SubsidiaritĂ€t zu respektieren, dem Wortlaut der Konvention wieder erhöhte Beachtung zu schenken und die staatliche SouverĂ€nitĂ€t sowie die demokratischen Prozesse der Vertragsstaaten zu achten.cite-ref-46[46]

Im Zuge des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EuropĂ€ischen Union (Brexit) Ă€ußerten auch britische Politiker wiederholt Kritik am EGMR, der ihrer Ansicht nach die EMRK verzerrt interpretiere. Von einem „Missbrauch“ der Konvention durch die Straßburger Richter sprachen etwa Innenministerin Priti Patel und Außenminister Dominic Raab. Um den „Fehlinterpretationen“ der Menschenrechtskonvention durch den EGMR zu entkommen, könne es sogar nötig werden, aus der Konvention insgesamt auszutreten, argumentierte Kronanwalt Martin Howe im Kontext der Brexit-Verhandlungen Anfang 2020.cite-ref-47[47]

Architektur des GerichtsgebÀudes

Das GebÀude des EGMR wurde vom britischen Architekten Richard Rogers entworfen und nach dreijÀhriger Bauzeit im Jahr 1995 fertiggestellt.cite-ref-48[48] Es kostete 455 Millionen Franc (rund 69,4 Millionen Euro).

Aus der Luft betrachtet, hat das GebĂ€ude die Form einer Waage, wobei die runden SitzungssĂ€le die Waagschalen darstellen. Diese Struktur setzt sich auch in der Stahlkonstruktion im GebĂ€ude fort. Hier „schweben“ die SitzungssĂ€le wie zwei Waagschalen gleichsam ĂŒber dem Boden. Gleichzeitig erinnert das Bauwerk durch seine Lage am Fluss und die hohen Aufbauten zwischen den beiden SĂ€len auch an ein Schiff. Durch die Verwendung einer Stahlkonstruktion und großer GlasflĂ€chen sollte es nach Auffassung des Architekten eine besondere Offenheit ausdrĂŒcken und sich damit vom typischen monumentalen Eindruck alter GerichtsgebĂ€ude abheben. Dieses Anliegen kommt auch in anderen Details des Bauwerks zum Ausdruck. So hatte Rogers im großen Eingangsbereich zwischen den VerhandlungssĂ€len freistehende Tische vorgesehen, an denen die BeschwerdefĂŒhrer persönlich ihre Beschwerde einreichen konnten. Heute stehen dafĂŒr Kabinen aus Glas zur VerfĂŒgung.

Die frĂŒhere Struktur des Gerichtshofs, mit einer Aufgabenverteilung zwischen Kommission und Gericht, findet sich auch im Aufbau des GebĂ€udes wieder. Es verfĂŒgt ĂŒber zwei getrennte, parallele FlĂŒgel (zusammen rund 420 BĂŒros), einen Beratungsraum fĂŒr das Gericht und zwei VerhandlungssĂ€le. Der kleinere Saal (520 mÂČ), frĂŒher Saal der Kommission, wird heute vom Gerichtshof fĂŒr Verhandlungen genutzt. Er verfĂŒgt ĂŒber 41 PlĂ€tze fĂŒr Besucher und 30 PlĂ€tze fĂŒr die Parteien. Der große Saal (860 mÂČ) hat hingegen Platz fĂŒr 260 Besucher und 33 PlĂ€tze fĂŒr die Parteien. In einem langen Oval angeordnet sind 49 RichterplĂ€tze. Beide SĂ€le verfĂŒgen ĂŒber entsprechende Kommunikationstechnik und abgetrennte Dolmetscherkabinen.

Literatur

‱ Nußberger, Angelika, The European Court of Human Rights. Oxford University Press 2020, ISBN 978-0-19-884964-3.
‱ Helen Keller, Daniela KĂŒhne: Zur Verfassungsgerichtsbarkeit des EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte. (PDF) In: Zeitschrift fĂŒr auslĂ€ndisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Band 76 (2016), S. 245–308.
‱ Philip Leach: Taking a Case to the European Court of Human Rights. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 0-19-958502-4.
‱ Jens Meyer-Ladewig: EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention. Handkommentar. 3. Auflage. Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6210-4.
‱ Karen Reid: A Practitioner’s Guide to the European Convention on Human Rights. 3. Auflage. Sweet & Maxwell, London 2008, ISBN 978-1-84703-120-4.
‱ Luzius Wildhaber: Der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte – ĂŒberlastet, ĂŒberlastend oder gerade richtig? Österreichisches Institut fĂŒr Menschenrechte, Salzburg 2011, ISBN 978-3-9502273-3-8.

Weblinks

Wiktionary: EuropĂ€ischer Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons

: EuropĂ€ischer Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Dokumente und allgemeine Informationen

‱ Offizielle Website des EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte (englisch und französisch)
‱ HUDOC – Datenbank aller Entscheidungen des EGMR (mehrsprachig)
‱ Dokumente beim EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte (deutsch)
‱ Fundstellenverzeichnis: Urteile und Entscheidungen des EGMR (deutsch)
‱ Online-Archiv deutscher Übersetzungen von Urteilen und Entscheidungen des EGMR – Informationen zur Beschwerde an den EGMR (deutsch)

Audiodateien

‱ Webcasts mit öffentlichen Anhörungen (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-afp-11. Le juge français Mattias Guyomar est élu président de la CEDH, succédant à Marko Bosnjak In: Le Monde, 28. April 2025 (französisch).
cite-note-22. ↑ Liste der Unterzeichnerstaaten (englisch).
cite-note-33. ↑ Stefan Gilch: Die Reformen am EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte unter besonderer BerĂŒcksichtigung des 14. Zusatzprotokolls zur EMRK - Ein internationales Gericht am Wendepunkt seiner Entwicklung? 1. Auflage. Sierke Verlag, Göttingen 2009, ISBN 978-3-86844-137-6, S. 12.
cite-note-44. ↑ Lawless ./. Irland, Urteil vom 14. November 1960, Nr. 332/57; deutsche Übersetzung in EGMR-E 1, 10 (Memento vom 20. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 93 kB).
cite-note-55. ↑ Ludwig A. Minelli: Nichts sehen? Nichts hören? Nichts sagen? Europas Regierungen und die drei Affen (PDF; 212 kB) Quartalszeitschrift der Schweiz. Gesellschaft fĂŒr die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention (SGEMKO), Juni 2014
cite-note-66. ↑ Protokoll Nr. 11 zur Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten ĂŒber die Umgestaltung des durch die Konvention eingefĂŒhrten Kontrollmechanismus (Amtliche Übersetzung Deutschlands)
cite-note-77. ↑ Protokoll Nr. 14 zur Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten ĂŒber die Änderung des Kontrollsystems der Konvention Straßburg (Bereinigte Übersetzung zwischen Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz abgestimmte Fassung)
cite-note-88. ↑ Informationen zum 14. Zusatzprotokoll zur EMRK bei humanrights.ch (Memento vom 29. Januar 2012 im Internet Archive)
cite-note-keller-99. ↑ STAB-Vortragsreihe 2021@1@2Vorlage:Toter Link/stiftung-stab.ch (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2024. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Stiftung fĂŒr AbendlĂ€ndische Ethik und Kultur, S. 23
cite-note-1010. ↑ Meyer-Ladewig, EMRK, Art. 21 Rn. 1.
cite-note-1111. ↑ Gutachten des EGMR vom 12. Februar 2008, Rn. 47; deutsche Übersetzung in NJW 2009, 2109.
cite-note-1212. ↑ Meyer-Ladewig, EMRK, Art. 22 Rn. 2.
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cite-note-1414. ↑ Meyer-Ladewig, EMRK, Art. 22 Rn. 6.
cite-note-1515. ↑ Die Satzung des Europarates. In: Sammlung der EuropĂ€ischen VertrĂ€ge. Europarat, abgerufen am 28. MĂ€rz 2019.
cite-note-1616. ↑ In diesem Zusammenhang sind insbesondere das Vierte und das Sechste Protokoll zum Allgemeinen Abkommen ĂŒber die Vorrechte und Befreiungen des Europarats zu nennen. Siehe Meyer-Ladewig, EMRK, Art. 51.
cite-note-1717. ↑ Christina Binder/Lando Kirchmair: Die LegitimitĂ€t internationaler Wahlstandards: Völkerrechtliche Defizite und eine politikwissenschaftliche Perspektive. In: Archiv des Völkerrechts. Band 55, Nr. 4. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2017, S. 387, 391–393, 397, doi:10.1628/000389217X15120446388468.
cite-note-1818. ↑ vgl. Michael Kleine-Cosack: Verfassungsbeschwerden und Menschenrechtsbeschwerde. 2014. ISBN 978-3-8114-3659-6
cite-note-1919. ↑ LR-Nr 0.101.4 Verfahrensordnung des EGMR Liechtensteinische Gesetze LiLex
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cite-note-2121. ↑ Meyer-Ladewig, EMRK, Art. 35, Rn. 5.
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cite-note-3131. ↑ CASE OF GEORGIA v. RUSSIA (II) Application no. 38263/08
cite-note-3232. ↑ Ukraine gegen Russland Nr. 11055/22, Ukraine/Russland (X).
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cite-note-3535. ↑ Entscheidung des EGMR vom 2. Juni 2004; deutsche Übersetzung in NJW 2005, 123.
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cite-note-4141. ↑ Barbara Oertel: Recht auf Schauprozesse, in: taz, 19./20. Dezember 2015, S. 10.
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cite-note-4545. ↑ Martin Schubarth: Die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention hat sich verrannt | NZZ. 2. November 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 13. Februar 2019]).
cite-note-4646. ↑ ErklĂ€rung des StĂ€nderates: Urteil des EGMR «Verein Klimaseniorinnen Schweiz u. a. versus Schweiz». parlament.ch, 5. Juni 2024, abgerufen am 6. Juni 2024.
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